Einleitung

Der Menschen gemachte globale Klimawandel mit seinen ebenso umfassenden wie vielfältigen katastrophalen Folgen ist mittlerweile der Allgemeinbevölkerung und der Politik bewusst geworden. Auf den politischen Ebenen, bis hin zu den Weltklima­konferenzen, wird nicht nur über die Bekämpfung der Ursachen, vor allem die Umwandlungsfolgen beim Einsatz fossiler Energien, sondern bereits über zu ergreifende Maßnahmen zur Abschwächung der schon eingetretenen und weiterhin zu erwartenden Folgen diskutiert. Bei den Maßnahmen zur Ursachenbekämpfung stehen - neben der vermehrten und beschleunigten Einführung erneuerbarer Energien sowie verstärkten Anstrengungen zum Energieeinsparen und zur Erhöhung der Energieeffizienz, zur Küstenschutzverbesserung durch Dammbauten, der Anpassung landwirtschaftlicher Anbaukulturen an veränderte Klimabedingungen oder Aufforstungsmaßnahmen zur verstärkten natürlichen CO2-Speicherung.

Dabei wird ein elementarer Klima regulierender Faktor bis heute weitgehend übersehen. Es ist höchste Zeit, diesem Tatbestand bei allen Klimaschutzstrategien höchste Aufmerksamkeit zu widmen. Wenn dies in einer dem Problem gebührenden Weise erfolgt, wird das eine Reihe bisheriger Klimaschutzvorschläge entscheidend relativieren, u.a. solche zum Einsatz der Atomkraft oder zur CO2-Sequestrierung.

Zur Eindämmung einer Klimakatastrophe ist ein Handel mit Emissionszertifikaten für die trockenen Klimagase (hauptsächlich CO2 und CH4 ) auf nationaler, europäischer und globaler Ebene zur Erfüllung des Kyoto-Protokolls vorgesehen. Diese an sich sinnvolle politische Gegenmaßnahme bildet jedoch die Mechanismen und Wirkungs­zusammenhänge des Klimageschehens nur sehr unzureichend ab und ist in ihrer Wirkung auf den Klimaschutz nur zweitrangig gegenüber Maßnahmen der Erhaltung und Wiederherstellung funktionsfähiger Wasserkreisläufe auf den Kontinenten und diese stabilisierende Vegetationen.

Wir zeigen hier einige bisher zu wenig beachtete Zusammenhänge zwischen Klimaänderung, ihren Folgen und ihrer Reparaturmöglichkeit auf, damit die für den Erhalt der Umwelt als „Tragwerk der Gesellschaft" notwendigen politischen Entschei­dungen auch zielgenau getroffen werden können.

Die Dynamik von Wasser und Wasserdampf in Rückkopplung mit den Kontinental­flächen und ihrer Vegetationsdecke sowie den Meeresflächen stellt die wichtigste Komponente der physikalischen Verteilung (Dissipation) der Sonnenenergie dar und ist deshalb in ihrer Wirkungsweise den trockenen Klimagasen vorgeordnet.

Es ist jedoch möglich, auch ohne ein globales Modell die schädlichen Eingriffe eindeutig aufzuzeigen, die unsere mit (durch Verdunstung) kühlender Vegetation ausgestatteten Flächen zerstört haben und weiter zerstören. Es können auch die Maßnahmen benannt werden, die sie wiederherstellen könnten. Nur ökologisch intakte Flächen und angepasste Flächennutzungen sichern uns nachhaltig eine lebensfreundliche Umwelt.

Im Folgenden werden die Mechanismen des Klimageschehens im Einzelnen beschrieben. Notwendige Konsequenzen für die Überlebenschancen der Menschen werden aufgezeigt. Es wird deutlich gemacht, dass die Situation hinsichtlich ihrer Ursachen noch wesentlich kritischer ist, als sie in der Klimadiskussion behandelt wird.

Wasser-, Mineral- und Nährstoffkreisläufe sowie die Temperatur dämpfende Vegetation sind über einen langen Zeitraum in einem lebensbedrohlichen Ausmaß durch

  • wiederholtes Abholzen und wirtschaftliche Umgestaltung der Wälder,
  • Trockenlegung der Landschaften,
  • Eindeichung und Absenkung der Flüsse,
  • Kultivierung von Mooren,
  • zentralisierte Trinkwassergewinnung und
  • Tagebaubetrieb

und damit

  • Auslaugung der Landschaft,
  • gesteigerte Mineralisierung der organischen wasserhaltenden Böden sowie
  • Ableitung der Nutzstoffe aus den Oberböden über zentrale Kläranlagen zum Meer

zerstört worden, letztlich mit der Konsequenz der Degradierung der stofflichen, ört­lichen Kreislaufführung insbesondere des Wassers.. Die Folgen zeigen sich schon jetzt in einer Weise, dass Zukunftsängste um sich greifen. Diese Ängste sind berech­tigt, wenn nicht schnell Maßnahmen zur Wiederherstellung unserer Umwelt (Böden und Wasserkreisläufe) eingeleitet werden. Es muss deshalb zur Reparatur der erwähnten Kreisläufe und zur Wiederherstellung der notwendigen Vegetations­flächen auf den dicht besiedelten und bewirtschafteten Kontinenten kommen. Verwüstete Teile von Kontinenten sollten deshalb wieder mit Hilfe von stabilen Vegetationsdecken bewohnbar gemacht werden.

Die "Wiederherstellung einer tragfähigen Natur" muss von einzelnen regionalen Zellen ausgehen. Durch ständige Vermehrung dieser vegetationsreichen Zellen lassen sich die Probleme in Natur und Klima besser und nachhaltiger lösen. Mit einer globalen Reduktion der Emissionen von Treibhausgasen und dem Handel mit Emissionszertifikaten allein ist der Klimaschutz jedoch nicht zu machen. Welche Wirkung sollte auch eine ausschließliche Reduktion der CO2 Emissionen erzielen können? Dadurch kann zwar ein sparsamerer Umgang mit nichterneuerbaren Energiequellen erzielt werden, aber dieser Ansatz muss mit einer effizienten Reparatur des Klimas auf den bewirtschafteten Flächen gekoppelt werden.

Erstaunliche Phänomene sind beobachtbare kleinräumige Klimaveränderungen, die durch eine Wiederherstellung von Wald und Vegetation mit lokalen Wasser- und Stoffkreisläufen bewirkt werden. Die systematische Vermehrung solcher Temperatur dämpfender Bereiche zu größeren Flächen wird auch eine großräumige positive Klimaänderung zur Folge haben.

Diese Erkenntnis hat sich allerdings bisher nur in Australien in kleinen Gebieten durchgesetzt („natural sequence farming, NSF"), wo in den letzten 10 Jahren ein Farmer zeigen konnte, dass sogar auf den stark degradierten Flächen Zellen ent­wickelt werden können, wo Vegetation und Boden gesundeten, Wasserkreisläufe neu entstanden und eine regional begrenzte Klimaverbesserung stattfand. Die Regierung konnte durch dieses Beispiel von der Richtigkeit der zugrunde liegenden Ansätze überzeugt werden. Sie hat seit 2006 breit angelegte Maßnahmen und Projekte zur Ausdehnung dieser Vegetations-, Boden- und Klimaerholung ergriffen.

In unseren Breitengraden wurden in einem Bergurwald in Österreich (Albert Rothschild Wildnisgebiet) auf einer Fläche von etwa 3,5 km2 Rahmenbedingungen vorgefunden, die ein singuläres klimatisches Muster zur Folge hatten: Der lokale Wasserkreislauf hatte eine Umsatzrate für Wasserdampf von einem Tag und weniger; die Niederschläge (Schneeschmelzwasser) waren immissionsarm mit einem pH - Wert zwischen 6 und 7. Das Wasser hat dort Eigenschaften von nahezu destilliertem Wasser (zwischen 2 und 8 Mikrosiemens Leitfähigkeit / cm bei 20°C). Es konnte ein sehr ausgeglichenes Klima bei optimaler Temperaturdämpfung zwischen Tag und Nacht registriert und dokumentiert werden.

Die Erkenntnis, dass eine bezüglich der Ressourcennutzung optimierte Natur sich zellenweise und schrittweise zu einer lebensfreundlichen Umwelt ausbreitet bzw. revitalisiert und für einen nachhaltigen Klimaschutz entscheidend ist, müsste daher unmittelbar regionalpolitische Konsequenzen zur Folge haben.

Klima- aber auch wirtschaftsautonome Landschaftsgebiete und Regionen können am besten dezentral mit integrierten Bewirtschaftungsmaßnahmen für sämtliche Ressourcen von den Bürgern vor Ort aufgebaut und bewirtschaftet werden.

   
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