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I. Zusammenfassende Projektbewertung

I.1. Projektbewertung

Herangehensweise

Als besonders vorteilhaft hat sich die Verwendung des Top-Down-Ansatzes erwiesen. Auf seiner Grundlage konnten die während der Auswertung gestellten Hypothesen und aufgetretenen Fra­gen relativ schnell eingeordnet und geprüft werden (z.B. zur Schwermetall-Anreicherung, Kap. F.1.1.6).

Der Ansatz des ETR-Modells hat sich bei der Prozeßbetrachtung bewährt, da die allgemeine Pro­zeßbeschreibung als logische Abfolge von Energie als treibendem Potential, Transportphase und schließlich Reaktion zu einer klaren Strukturierung verhalf. Dies erleichterte z.B. die Analyse der Stoffaustragsprozesse. Die Modellvorstellung des energiedissipativen Prozesses konnte auf ver­schiedene Ebenen, z.B. der Zönosenkernstruktur, der Fließgewässer oder der Bodenchemie, übertragen werden.

Eingesetzte Methoden und Hilfsmittel

Bei der Datenanalyse war ein entscheidender Vorteil, daß durch die eigene Datenaufbereitung nicht nur Mittelwerte, sondern auch die zugehörigen Variationswerte und Verteilungen dargestellt werden konnten. Dadurch konnten Zusammenhänge eher erfaßt werden, die mit einem alleinigen Mittelwert oder Regressionskoeffizienten kaum aufgefallen wären.

Der Ansatz der Regionalanalyse, die Teilgebiete relativ zum Gesamtgebiet und relativ unterein­ander zu vergleichen, hat sich bewährt. Damit wurde z.B. auch die effiziente Klassifizierung der Konzentrationen und Frachten in den Fließschemata erst ermöglicht, indem die Klassifizierung auf der Gesamtverteilung basierte. Die Eigenheiten einzelner Teileinzugsgebiete, wie z.B. des Himmelreichbaches mit besonders hohen Abflüssen, wurden so rasch deutlich.

Die Kopplung zwischen thermischem und chemischem Wirkungsgrad ist bisher nur in Ansätzen vollzogen worden, da aufgrund der sehr kurzen Heuristik eine Einschätzung der Phasenlage in vielen Einzugsgebieten nicht möglich war. Es sollte deshalb angestrebt werden, ein in seinem Umfang reduziertes Monitoring weiter fortzuführen.

Die Sonden zur zeitlich hochauflösenden Messung der unterschiedlichen Parameter (Wasserstand im Gewässer, Bodenwasserstand, Leitfähigkeit, Temperatur) haben sich im Ge­lände bewährt. Durch die kompakte Bauform traten kaum Beschädigungen auf; die Datenakquisition war sehr zuverlässig.

Zur kleinräumigen Differenzierung sollten ursprünglich die Berechnungsabschnitte in kleinere Re­chenabschnitte unterteilt werden. Die Abflußwerte sollten dann für diese mit dem Programm NASIM unter Einsatz der im Gelände erhobenen Daten simuliert und die fehlenden Pegeldaten an den Meßstellen ergänzt werden. Trotz eines hohen Zeitaufwandes für die Bearbeitung konn­ten, offensichtlich aufgrund von Programmängeln, keine zufriedenstellenden Ergebnisse erzielt werden.

Der Einsatz der Fernerkundung zur Entwicklung eines Instrumentes für die Bestimmung des Handlungsbedarfes zeigt sich vielversprechend. Die angestrebte automatische Auswertung mul­titemporaler Satellitenbildszenen konnte nicht mehr erreicht werden. Erste Vergleiche und Aus­sagen zur Temperaturverteilung (Thermalkanal des Landsat 5) unterschiedlicher Zeitpunkte wa­ren dennoch möglich.

Vorschläge zur Umsetzung

Aus den Kenntnissen zum Stoffaustragsprozeß konnten schon recht früh allgemeine Aussagen zur Bewirtschaftung abgeleitet werden. Dazu war es notwendig und hilfreich, die Ziele hierar­chisch zu betrachten und auf Plausibilität und Richtungssicherheit zu prüfen. Im weiteren Verlauf war es möglich, diese Ziele in Form einer Rahmenplanung zu konkretisieren. Die dabei ausge­wiesenen Vorranggebiete sind zugleich Ansatzpunkt einer zeitlichen Prioritierung der vorgeschla­genen Maßnahmen.

Innerhalb des Projektes wurden nicht nur die hohen Stoffverluste festgestellt, sondern auch deren Bedeutung für die Gesellschaft dargestellt und eine Lösungsstrategie aufgezeigt.

Allgemeines

Für die Durchführung des Projektes und die Auswertung der Ergebnisse war ein ständiger Diskussionsprozeß notwendig. Dabei erwies es sich von Vorteil, daß die Bearbeitergruppe wäh­rend des gesamten Projektverlaufes noch gut überschaubar blieb. Durch die räumliche Distanz zwischen den an diesem Projekt beteiligten Institutionen war die Kommunikation jedoch teilweise erschwert. Bei zukünftigen Projekten sollte dies behoben werden.

Die Diskussionen mit Vertretern der Landesbehörden waren sehr hilfreich. Gegenstand bildete dabei u.a. die als theoretisierend empfundene Sprache des Berichts. Hierzu ist hervorzuheben, daß die verwendete Modellvorstellung des energiedissipativen Prozesses mit eigenen Begriffen einhergeht. Diese wurden bei der Landschaftsanalyse, -bewertung und -planung beibehalten, um durch möglichst eindeutig und unmißverständlich definierte Begriffe das Verständnis zu erleich­tern.


I.2. Übertragbarkeit

Das grundlegende Problem der Stoffverluste zeichnet sich für ganz Mitteleuropa ab. Dies zeigt der Vergleich aller deutschen Fließgewässersysteme (Kap. H.). Deshalb ist das Leitziel, die als Minimierung der Stoffverluste definierte Nachhaltigkeit zu steigern, auch in ganz Europa rich­tungssicher. Die ökonomischen Lösungsansätze des Wasserwirtes sowie der Besteuerung der Energie und des Bodenwertes anstelle der Dienstleistung sind innerhalb der Europäischen Union genauso diskussionswürdig wie im Untersuchungsgebiet.

Deutliche Unterschiede sind jedoch in der natürlichen Ausstattung der Einzugsgebiete zu erwar­ten. Hierzu zählen Basenvorräte und verwitterbares Material, Art und Menge der Vegetation, Geomorphologie und Niederschlagsverteilung. Daher sind zwar die Lösungsansätze, nicht aber die konkreten Lösungsvorschläge übertragbar. Vielmehr ist es erforderlich, für jedes Einzugsge­biet diese Planungen regional anzupassen.

Die Methodik und Herangehensweise des Projektes dürfte weitestgehend auch in anderen Was­sereinzugsgebieten Mitteleuropas verwendbar sein. Die Messung der Basisgrößen, wie Abfluß, Niederschlag und Konzentrationen, sind ohnehin weit verbreitete Methoden. Hierbei ist in beson­derem Maße auf die Konsistenz solcher Daten zu achten und diese anhand eigener Meßstellen zu überprüfen. Satellitendaten werden bereits weltweit eingesetzt; jedoch ist zu beachten, daß im stärker reliefierten Gelände durch Verschattungen die Interpretation erschwert ist.


I.3. Forschungs- und Handlungsbedarf

Handlungsbedarf

Die Dringlichkeit des Handlungsbedarfes ist durch die heute hohen Stoffverluste von über 1000 kg/ha/a im Störgebiet aufgezeigt worden. Ein Fortschreiten der Stoffverluste wird gravierende Änderungen im Wasserhaushalt der Landschaft, der Vegetationsdecke und dem Klima nach sich ziehen, die durch die zur Neige gehenden Vorräte noch beschleunigt werden. Wenn die Land­schaft dauerhaft als Tragwerk der Gesellschaft erhalten bleiben soll, ist eine Änderung der der­zeitigen, mit hohen Stoffverlusten behafteten Wirtschaftsweise in eine nachhaltige Bewirtschaf­tung unverzichtbar. Diese Umstellung muß so schnell wie möglich erfolgen. Der zu erwartende Anstieg der Energiepreise (Kap. H.) wird durch die Verteuerung der Transporte die Gesellschaft zur verstärkten Nutzung der ortsnahen Landschaftsteile zwingen. Noch könnte eine Vorweg­nahme dieser Verteuerung durch eine veränderte Besteuerung (Kap. H.2) diese Umstellung fi­nanzieren.

Um die dazu notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, ist die Politik gefordert. Ihre Auf­gabe ist es,




  • durch die Änderung der derzeitigen Agrarsubventionspolitik den Land- und Forstwirten durch die marktmäßige Entlohnung des Oberflächenwassers zur Verwendung als Trinkwasser eine stabile und sich nicht jährlich ändernde ökonomische Grundlage zu bieten;

  • durch die Besteuerung von Energie und Bodenwert Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine ressourcenschonende, regionale Ökonomie ermöglicht und

  • die rechtlichen Vorgaben an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Dabei sollte die Wasserwirtschaft der Land- und Forstwirtschaft zugeordnet werden.

Durch die so gesetzten Rahmenbedingungen könnte der Verwaltungsaufwand erheblich verrin­gert werden.

Forschungsbedarf

Für die Umsetzung der im Bericht vorgestellten Planungsvorschläge ist in erster Linie eine politi­sche Weichenstellung notwendig. Weitere Forschung kann dann dazu beitragen, durch die Fort­setzung der Heuristik die landschaftlichen Prozesse noch besser zu verstehen und das System­verständnis zu erweitern. Damit wären genauere Aussagen zur Bewirtschaftung möglich. Gleich­zeitig kann die Veränderung des Landschaftshaushaltes und damit auch der Erfolg einer verän­derten Wirtschaftsweise erfaßt werden. Das wachsende Systemverständnis wiederum ermöglicht einen immer effizienteren Einsatz der begrenzten finanziellen Mittel zur Steigerung der Nachhal­tigkeit.

Oft ermöglichen erst ausreichend lange Zeitreihen, die Aussagen auf eine solide Basis zu stellen und langfristige Prozesse zu identifizieren. Deshalb sollte in jedem Fall ein vereinfachtes Monito­ring im Stör-Gebiet fortgesetzt werden.

Anzustreben ist auch eine weitere Konkretisierung der Planung, die möglichst großmaßstäblich, wie z.B. einzelne Teileinzugsgebiete, abdecken sollte. Vorraussetzung dafür ist jedoch der politi­sche Wille zur Umsetzung der Ergebnisse und die ökonomische Sicherung der Landwirte. Die tatsächliche Realisierung einer nachhaltigen Bewirtschaftung wird in der Anfangsphase auch eine Reihe von Versuchen nötig machen, z.B. zum effizienten Aufbau und zur Bewirtschaftung von Feuchtgebieten.


   
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